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Probenfreizeit für Musical „Jona“ in Breitenberg  14. – 16. Mai 2010


…wenige Tage vor der Probenfreizeit: Täglich werden die Wetteraussichten studiert und so manches Gebet steigt zum Himmel. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, als die erste „Hiobsbotschaft“ eintrifft: Das Freizeitgelände  kann nicht wie geplant am Himmelfahrtstag um die Mittagszeit bezogen werden, sondern erst gegen Abend, da dort noch ein Brunch geplant ist. Wie kann das sein? Das Eintreffen war längst angekündigt und auch bestätigt worden.

Unmut möchte sich breit machen – doch nach einigen Versuchen klappt es, sie in den Hintergrund zu drängen und dem lieben Gott zu vertrauen, dass er alles recht machen wird. Vorsorglich stellt man sich schon einmal auf eine Nachtschicht ein, die geplanten Transporte werden umdisponiert.

Eine Mail an die zuständige Stelle, ob nicht wenigstens schon vorab die ersten Lieferungen untergestellt werden könnten, bringen eine unerwartete positive Wende: Der Brunch wurde abgesagt – die Anreise kann wie geplant erfolgen! Wieder was gelernt: Vertrau auf Gott – er hilft so gern!

Mittwochabend: Es ist kalt, aber es regnet nicht! Die Anhänger und Autos können trocken beladen werden. Letzte Helfer für das Grillen am Sonntag werden engagiert, dann sind die Vorbereitungen für heute abgeschlossen.

Donnerstag, 13. Mai nachmittags:

Frisch gestärkt durch den Gottesdienst am Morgen und nach einem kurzen Mittagessen geht’s endlich los nach Breitenberg. Dort trifft man bereits auf weitere Helfer.

Um Wärme ins Haus zu bekommen, wird erst einmal der große Kachelofen tüchtig eingeheizt. Schnell breitet sich eine wohlige Wärme aus und die Stimmung steigt.

Die Autos und Anhänger werden schnell entladen, der Inhalt muss jetzt nur noch entsprechend verteilt und die Probenräume freundlich dekoriert werden. Weitere Anhänger mit Kulissen und Requisiten treffen während des Nachmittags ein, müssen entladen und die Requisiten aufgebaut werden. Die Arbeiten dauern bis in die Abendstunden an.

Der Abend klingt mit einem gemütlichen Abendessen aus bevor man sich zu später Stunde zufrieden auf die Zimmer zurückzieht, in großer Vorfreude auf die Kinder und die nächsten Tage.

Freitag, 14. Mai,7.00 Uhr:

Küchenchefin Sonja hat einfach an alles gedacht: Frühmorgens bringt der Bäcker bereits frische Brötchen, so dass das Frühstück noch in aller Ruhe eingenommen werden kann. Doch nur kurze Zeit später hat die Ruhe ein Ende: Die ersten HelferInnen und mit ihnen einige Kinder treffen ein. Im Nu füllt sich das ganze Haus mit Leben! Letzte Besprechungen mit den Teamleitern und schon ist man umringt von fröhlichen und erwartungsvollen Kindern.

Ein weiterer Schreck in der Morgenstunde: Die Zimmer sind trotz dass die Hausverwalterin die Heizung eingeschaltet hat, eiskalt! Ein kurzes Telefonat: Offensichtlich hatte sie einen Schalter vergessen! Jetzt gilt es schnell zu entscheiden: Einen Tag in der Kälte zu verbringen, oder den teureren Tagstrom zu bezahlen. Die Entscheidung fällt nicht schwer: Die Kinder dürfen nicht frieren!

Die Zimmer sind Dank der Vorarbeit schnell aufgeteilt, so dass wenig später mit der Begrüßung begonnen werden kann.

Die Zeit bis zum Mittagessen ist angefüllt mit Steckbriefe ausfüllen, Fotos anfertigen und das Gelände erkunden. Das Küchenteam zaubert währenddessen ein leckeres Mittagessen (Maultaschen in der Brühe mit Kartoffelsalat mit einem fruchtigen Nachtisch).

Der Nachmittag beginnt mit einer gemeinsamen Chorprobe, Proben des Orchesters sowie szenische Proben folgen. Unterdessen wird die Hüpfburg angeliefert, die während den Probenpausen neben Fußballspielen und weiteren Spielen auf dem Gelände regen Anklang findet. Parallel dazu werkelt man bereits auf Hochtouren an den Kulissen und Requisiten. Keine Wünsche sollen dabei offen bleiben! Kreativität und Einsatzfreude sind gefragt – und werden in beeindruckender Weise erbracht. Auch in der Nähstube herrscht bereits Hochbetrieb und erste Kostüme entstehen.

Bis zum Abendessen sind außerdem diverse Solistenproben angesetzt. Im Viertelstundentakt warten die Kinder vor dem Probenraum auf ihre Einzelprobe. Voller Neugier und Engagement versuchen sie all die Impulse umzusetzen, die sie bekommen, damit ihr Solopart noch schöner zur Geltung kommen kann.

Zwischendurch kann man sich mit einem Handabdruck auf einer Leinwand „verewigen“, auf die ein Walfisch aufgemalt ist. Eine schöne Gemeinschaftsarbeit – nicht nur als Kulisse zu verwenden.

So vergeht die Zeit bis zum Abendessen im Nu. Das anschließende Lagerfeuer mit Stockbrot-Grillen findet reges Interesse. Und auch der Himmel meint es gut und wartet mit dem Regen, bis man sich Richtung Schlafplätze aufmacht.

Jetzt noch schnell unter die Dusche, ein gemeinsames Gutenacht-Lied mit romantischen Knicklichtern, die in allen Regenbogenfarben leuchten und ein Schlussgebet, dann wird es langsam still auf den Zimmern.

Währenddessen ein Anruf aus Freudenstadt: Der Walfisch aus Pforzheim wird um ca. 22.00 Uhr angeliefert (sie hatten am Nachmittag dort noch eine Aufführung). Planmäßig rollt das Transportfahrzeug auf den Hof und kann noch am Abend mit wenigen Handgriffen entladen und aufgebaut werden.

Ein letzter Kontrollgang um 22.30 Uhr: Aus allen Zimmern sind nur noch tiefe Atemzüge zu vernehmen. Jetzt können auch die BetreuerInnen durchatmen und den Abend in froher Runde ausklingen lassen.

Was keiner zu hoffen wagte: Es bleibt auch die ganze Nacht völlig ruhig! So kann der nächste Tag kommen und mit ihm frisch ausgeschlafene Kinder voller Tatendrang - in aller Morgenfrühe.

Samstag, 15. Mai:

Das Frühstück ist – Dank dem fleißigen Küchenteam – wieder ein Hochgenuss! Anschließend kann man gestärkt wieder an die Arbeit gehen. Lieder für den Gottesdienst werden ohne einen einzigen Unmutslaut über einen längeren Zeitraum geprobt, parallel dazu gibt es weitere Orchesterproben und zwischendurch bleibt trotz der Proben viel Zeit zum Spielen. Neben einem behinderten Mädchen, das bereits am Freitag gekommen war und so begeistert war, dass sie sogleich versprach, am nächsten Tag wiederzukommen, besucht heute auch ein behinderter Junge aus dem Enztal die Freizeit. Was keiner bisher wusste: Die beiden kannten sich aus der Schule und die Wiedersehensfreude ist riesengroß! Man lässt sich anstecken von ihrer Begeisterungsfähigkeit. Es ist eine Freude, den beiden zuzusehen, wie sie sich in der Gruppe einbringen und sichtbar ihren Spaß haben.

Ein weiterer Höhepunkt ist das Mittagessen: Pizza steht auf dem Speiseplan! Es gibt wohl kaum ein Kind auf der Welt, das keine Pizza mag! Auch den anschließenden Nachtisch (Schüsselkuchen) lässt man sich wohl schmecken.

Nach dem Mittagessen steht „Siesta“ auf dem Programm.  Wenn in dieser Zeit jemand auf das Gelände gekommen wäre – er hätte wohl nie geglaubt, dass dort über 50 Kinder versammelt sind – so ruhig war es in den Gebäuden! Doch für die Betreuer ist kaum Zeit, in Ruhe noch ein Tässchen Kaffee zu genießen, denn es gilt, den Speisesaal wieder für den ersten Durchlauf zu präparieren.

Ein weiteres Highlight am Nachmittag ist ein großer Flohmarkt, auf den die Kinder schon hinfieberten. Strahlend präsentieren sie wenig später ihre „Trophäen“. Und wieder einmal ist bewiesen, mit wie wenig man Kinder glücklich machen kann.

Die letzten Kostüme werden ausgesucht und von versierten Näherinnen angepasst, um damit bei unserem Hoffotograf zu posieren. Bei so viel Engagement des Fotografen müssen die Fotos ja einzigartig werden!

Zu aller Freude hatte der Bezirksevangelist für den Abend seinen Besuch angesagt. Mit ihm ist seine Tochter angereist, die bereits sehnsüchtig erwartet wird, da sie mit ein paar Kindern noch einen Tanz einstudieren soll.

Weitere Jugendliche haben für den Abend ein Programm erarbeitet, das sowohl zur Vertiefung der biblischen Geschichte von Jona, als auch zur Einstimmung für den Gottesdienst am darauf folgenden Sonntag dienen soll. Engagiert und souverän meistern nicht nur die Jugendlichen sondern auch die Kinder ihre gestellten Aufgaben.

Wenig später versammelt man sich im Andachtsraum zu einer lehrreichen „Gutenacht-Geschichte“, gefolgt vom „Gutenacht-Lied“ sowie einem Nachtgebet. Damit findet der zweite Tag seinen Abschluss. Wie schon am Vortag sind die Kinder vom vielen Spielen erschöpft und schlafen – sehr zur Freude der Erwachsenen - ohne Probleme zur selben Zeit wie am Vortag friedlich in ihren Betten.

Wen wundert’s, dass es noch einige Zeit dauert, bis auch die Letzten ihr Nachtlager aufsuchen. Den heran nahenden Abschied will man noch so lange wie möglich hinausschieben.

Außerdem sind für den nächsten Morgen noch einige Arbeiten zu verrichten: Unzählige Schuhe und Jacken einsammeln, vermalte Tische putzen, Altar dekorieren und alle weiteren Utensilien für den Gottesdienst bereitstellen.

Sonntag, 16. Mai:

Eine warme Dusche am frühen Morgen verscheucht schnell letzte Reste einer Müdigkeit und weckte neue Lebensgeister. Das ist auch nötig, denn nur kurze Zeit später stehen bereits die ersten Kinder um ein Frühstück an. Erstaunlich, wie fit die Kinder an diesem Sonntagmorgen sind! Es muss niemand geweckt werden – wenn das nur zu Hause auch immer so wäre!!!

Anschließend wird in Windeseile der Speisesaal für den Gottesdienst hergerichtet. Kaum sind die letzten Stühle aufgestellt, alle Notenständer verteilt, alle Instrumente platziert, da kommen auch schon die ersten Gottesdienstteilnehmer.

Mit großer Disziplin und beeindruckenden Szenen füllt sich eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn der Saal und nachdem das Orchester die ersten Töne angestimmt hat, breitet sich eine festliche Stimmung aus, die alle sehr berührt.

Im anschließenden Gottesdienst stimmt einfach alles: Das Textwort aus dem Buch Jona, passend zum Musical, die Dekoration des Altars und Saales und auch die geübten Lieder hätten nicht treffender sein können. Die Antworten der Kinder sind dementsprechend spontan und äußerst präzise, was Dank einer intensiven Vorbereitung keineswegs erstaunt, aber umso mehr Freude und Dankbarkeit auslöst. Ohne Zweifel ist der Gottesdienst der absolute und unangefochtene Höhepunkt der Probenfreizeit! Wann immer in der Zukunft etwas in dieser Richtung geplant werden sollte: Auf einen gemeinsamen Gottesdienst wollte sicher keiner der Anwesenden mehr verzichten!

Nach dem Gottesdienst lässt sich doch tatsächlich für Momente die Sonne blicken, die zumindest die Erwachsenen in den letzten Tagen so sehr herbeigesehnt hatten. Von den Kindern kam all die Tage nicht eine einzige Bemerkung wegen des kalten Wetters! Sie genießen das Spielen – egal wie Wolken verhangen der Himmel sich zeigt!! Spontan entscheidet man sich für ein gemeinsames Foto im Freien, bevor sich die Kinder umziehen können und zum Packen auf ihre Zimmer geschickt werden.

Auf die Eltern braucht man nicht lange zu warten. Sie stehen schon wenig später auf dem Gelände und jeder muss sich beeilen, damit alle Vorbereitungen planmäßig ausgeführt werden können. Dank guter Planung können aber alle in kurzer Zeit mit selbst gemachten Salaten und gegrillten Würstchen gesättigt werden bevor auch schon zum gemeinsamen Abschluss aufgerufen wird.

„Hoffotograf“ Kevin hat einen kleinen Querschnitt von den Bildern der letzten drei Tage zusammengestellt und präsentiert sie nun in einer kleinen Diashow.

Bevor es nun endgültig ans Abschiednehmen geht, folgen noch ein paar organisatorische Ansagen, gefolgt von Dankesworten an die verschiedenen Helferteams und einem gemeinsames Schlusslied. Der Bezirksälteste, der schon am Freitag zur Begrüßung gekommen war, setzt mit seinem Gebet den Schlusspunkt, wodurch die Probentage in schöner Weise eingerahmt werden.

Das Gelände leert sich rasch – schon werden die Dekorationen abgenommen und die Räume verlieren wieder an Farbe und Fröhlichkeit. Trotzdem dauert es noch bis zum Abend, bis alle Arbeiten getan, alle Anhänger beladen sind und das Gebäude in ordnungsgemäßem Zustand versetzt ist. Ein letztes Gläschen im Stehen – letzten Umarmungen und Abschiedstränen - noch nicht einmal mehr ein Luftballon grüßt zum Abschied!

Bereits Stunden später tauchen die ersten Fotos in „Facebook“ auf und die ersten Mails werden verschickt: Es war wieder soooooo schön!!! Wir sind beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei!!! Wir auch - selbst wenn unsere Kinder schon in der Jugend sind!!! Wann gehen wir wieder nach Breitenberg??? Waaaas, erst wieder 2012 ???

Breitenberg – wir kommen wieder! Versprochen!!!

Anmerkung:

Nur wer aus diesem doch recht nüchternen Bericht zwischen den Zeilen lesen, bzw. mit uns diese Tage verbringen konnte, kann erahnen, welche Gefühle uns beim Abschied durchzogen. Keiner von uns wollte diese schöne Gemeinschaft verlassen! Die vielen bewegenden Erlebnisse mit den Kindern, der sichtbare Segen Gottes in vielen großen und kleinen Dingen, die Begeisterung und Freude unter den BetreuerInnen, die beeindruckende Harmonie unter den musikalischen Leiterinnen – einfach ein Stückchen „Himmel“ zu erleben – wer wollte dies schon alles freiwillig aufgeben???

Judith Münter

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