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Die Welt mit Kinderaugen sehen Wer bereit war, sich mit den Kindern auf eine Stufe zu stellen, mit ihren Augen die Welt zu betrachten, mit ihren Ohren die Klänge und mit ihrem reinen, unverfälschten Empfinden all das aufzunehmen, was geboten wurde, hat vermutlich seit dem vergangenen Wochenende einen anderen Blick auf so manche Dinge des alltäglichen Lebens, an denen Erwachsenen sonst achtlos vorübergehen. Wie oft hatte man den Eindruck, die Kinder kommen aus einer anderen Welt und sehen zum ersten Mal einen See, essen ihre erste Kugel Eis und haben noch nie eine Drehorgel gehört, geschweige denn selbst daran gedreht. Doch fangen wir von vorne an… Der Wunsch, mit dem Kinderchor auch einmal auf Reisen zu gehen, ist schon ein paar Jahre alt. Als irgendwann die Idee im Raum stand, ein Konzert zusammen mit Drehorgeln am Bodensee zu veranstalten, war die Skepsis zunächst groß: Werden wir die erforderlichen Genehmigungen bekommen? Wie wollen wir das finanziell stemmen und welche logistischen Hürden sind zu nehmen? Bekommen wir genug Kinder zusammen, die das Projekt unterstützen? Wie nehmen es die Eltern auf? Die erste Hürde lehrte bereits, sich in Geduld zu üben. Doch als das OK von „ganz oben“ erst mal gegeben wurde, fügten sich die weiteren Posten wie von selbst. Und so standen nach nur fünf Proben am vergangenen Freitag bei strahlendem Sonnenschein bereits eine halbe Stunde vor Abfahrt die ersten Reisegäste am Bahnhof von Calw und warteten mit Spannung  auf die Ankunft des Busses. Was für ein Segen, dass wir mit Otto einen Busfahrer gefunden hatten, der nicht nur auf seine Gage verzichtete, sondern mit seiner ruhigen, geduldigen Art von Anfang an alles bestens im Griff hatte. Der Aufruf nach einer möglichst pünktlichen Abfahrt, wurde vorbildlichst erfüllt. Bereits fünf Minuten vor Ablauf der Zeit, waren alle Gepäckstücke sowie jede Menge Proviant verstaut und der Bus abfahrbereit. Es wurde keine Strichliste geführt, wie oft der Satz fiel: „Wie lange dauert’s noch?“, oder „Wann sind wir endlich da?“ Aber es ist ja auch verständlich, dass die Vorfreude nur schwer auszuhalten ist. Pünktlich um 17 Uhr erreichte die Reisegruppe ohne Zwischenstopp und ohne jegliche Zwischenfälle das erste Etappenziel. Dort wartete die Orgelbaufamilie bereits in großer Vorfreude auf die Ankunft der Kinder. Nach einer herzlichen Begrüßung verfolgten alle interessiert und gespannt die anschließende Führung im Orgelbaubetrieb. Anschließend bot sich die Gelegenheit, auch selbst einmal an einer Drehorgel zu kurbeln, was von einigen Kindern mit großer Begeisterung angenommen wurde. Währenddessen wurde von vielen fleißigen Helfern das Abendbrot zubereitet. Von den Würstchen, den Brötchen und der Rohkost blieb nicht ein Stückchen übrig, selbst Obst und Kuchen zum Nachtisch fand noch reißenden Absatz. Gestärkt und mit vielen schönen, neuen Eindrücken im Gepäck, begleitet von Drehogelmusik zum Abschied, ging‘s entlang des Bodensees weiter nach Bodman. Am Gästehaus angekommen, wurde kräftig angepackt, um den Bus von seiner gesamten Ladung zu befreien. Die Zimmerverteilung verlief dank vorheriger Planung und Abstimmung zügig, völlig unproblematisch und selbst Sonderwünsche konnten alle berücksichtigt werden. Auch waren die Betten rasch bezogen – jeder half jedem und so war bereits wenig später die gesamte Truppe wieder versammelt, um endlich den See ganz aus der Nähe zu erleben. Über einen kleinen Trampelpfad waren es nur wenige Schritte bis zum Bodenseeufer. Ein Spielplatz und eine herrliche Strandpromenade luden ein zum Spielen und Toben nach Herzenslust. Im Schein der untergehenden Sonne verwandelte sich der See zusehends in eine wunderschöne, romantische Kulisse. Nach afrikanischem Vorbild gab es als „Sundowner“ für die Erwachsenen ein Glas Sekt und für die Kinder in derselben Farbe rote Schorle. Trotz erfrischenden 12 C ließen es sich einige nicht nehmen, wenigstens mit den Füßen im Wasser zu planschen. Hätte man die Kinder nicht zurückgehalten, wären sie am liebsten ganz abgetaucht. Vermutlich hätte dies aber zu erheblichem Erklärungsbedarf bei den Eltern geführt.  Und so waren es nur drei unerschrockene Erwachsene, die es sich nicht nehmen ließen, eine Runde im See zu schwimmen. Zum Abschluss des Tages stimmten alle am See noch das Lied an: „Ins Wasser fällt ein Stein“. Dazu gab es zur Erinnerung daran, dass auch wir „Sonne“ tanken sollen, um es in dunklen Zeiten leuchten lassen zu können, oder auch ein Licht der Liebe für andere anzünden mögen, für jeden einen Leuchtstein und ein Teelicht in Form eines roten Herzes. Nach dem gemeinsamen Abendgebet wurde es in einigen Zimmern rasch still. Vor anderen Türen konnte man bei einem Rundgang hören, wie noch jemand Geschichten vorlas. Und so versammelten sich wenig später noch ein paar Betreuer zu einer geselligen Runde, um den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen. An Ausschlafen war am nächsten Tag nicht zu denken. Mit Vogelgezwitscher und herrlichem Sonnenschein begann für viele der nächste Tag bereits deutlich früher als sonst üblich. Das Frühstücksbuffet war rasch mit vielen Kuchen- und Obstspenden reichhaltig belegt, so dass wir auf weitere Backwaren fast ganz verzichten konnten. Dank „einer höheren Macht“ war die Vorbestellung in der Bäckerei aus unerfindlichem Grund verloren gegangen. Was für ein Glück für uns: Wir hätten die Menge niemals bewältigen können! Schon vor dem Frühstück wurden die Betten abgezogen, die  Koffer gepackt und wieder im Bus verstaut. Im Eiltempo halfen im Anschluss alle wieder beim Aufräumen und Spülen, so dass pünktlich zum Abmarsch wieder alle Spuren beseitigt waren. Schon von weitem entdeckten die Kinder an der Anlegestelle das Schiff und waren fasziniert und begeistert zugleich, dass das für die nächsten 1 ¼ Stunden „unser Boot“ sein wird. Kaum an Bord gab’s auch gleich das erste Lob von der Kassiererin: „Das sind aber liebe Kinder!“ Ja, das können wir nur bestätigen. Und: Was für ein schönes Zeugnis! „Schau nur, wie das Wasser glitzert und die Sonne sich im Wasser spiegelt! Ich sehe Fische! Oh, wandern in der Marienschlucht: Können wir das auch mal machen? Wie tief ist das Wasser? Sieh nur: Dort drüben fährt unser Bus! Warum bleiben wir nicht 3 Tage hier – oder 3 Wochen – oder für immer? Judith, du hättest niemals hier vom Bodensee weggehen dürfen!!!“, waren nur einige Sätze, die von der Begeisterung der Kinder über die Schönheit der Region zeugten. Die Betreuer hingegen waren beschäftigt, die Entdeckerfreude der Kinder im Zaum zu halten. Schließlich bietet ein Schiff eine Vielzahl von Klettermöglichkeiten. War es tatsächlich nur die Schönheit des Sees, die die Kinder zu diesen Äußerungen inspirierte? War es bei den Jüngern auf dem Berg auch nur die schöne Aussicht, die sie zu der Überzeugung brachte: „Hier ist gut sein! Lasst uns Hütten bauen!“, oder war es doch eher das Gesamtpaket: Eine schöne Landschaft in harmonischer Gemeinschaft und der spürbaren Nähe Gottes??? Viel zu schnell ging die Fahrt zu Ende. In Überlingen angekommen wurde ohne Umwege die Kirche angesteuert, in der am Nachmittag das Konzert stattfinden sollte. Viel Zeit, die wunderschöne Kirche eingehend zu betrachten blieb leider nicht, denn es folgte für alle (vor allem auch für unsere Kleinsten) eine anstrengende Generalprobe. Doch auch diese war irgendwann gemeistert und weiter ging’s durch den Stadtgarten, vorbei an einem Märchengarten und Rehgehege zur NAK-Kirche, wo bereits das Mittagessen auf uns wartete. Auch hier blieb für die Betreuer nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Eine Tasse Kaffee im Stehen musste genügen, denn es waren noch 50 Lunchpakete für die Heimfahrt herzurichten. Ohne Umwege ging es anschließen zurück an den See. Mit einer kleinen Drehorgel und Plakaten im Gepäck machten sich die Kinder daran, für das Konzert zu werben. Ohne Scheu sprachen sie Passanten an und freuten sich königlich über jede Zusage! Die Schildmützen wurden kurzerhand „zum Betteln“ (wie sie es nannten) vor die Drehorgeln trappiert. „Mit dem eingespielten Geld gehen wir anschließend Eis essen!“ Gesagt, getan! Es dauerte keine halbe Stunde, da waren mehr als 50 € beisammen und mit großem „Hallo“ wurde die nächste Eisdiele gestürmt. Dann war es auch schon soweit. Damit alle pünktlich zum Fototermin ohne Schokoschnute und in Konzertkleidung bereitstehen, war Eile angesagt. Die ehemalige Sakristei wurde dafür kurzerhand zum Umkleideraum umfunktioniert und fehlende Konzertkleidung irgendwie doch noch organisiert. Die Zeit bis zum Konzert war dann für alle noch einmal eine Zerreißprobe! Was tun mit 25 quicklebendigen Kindern in einem Raum, die vor Anspannungen viel lieber herumgesprungen wären, als brav in einer Ecke auf dem Boden zu sitzen.  Ohne Anleitung und Aufforderung übten plötzlich einige Kinder im Kreis sitzend noch einmal das gesamte Konzertprogramm. Momente, die man einfach nur genießen möchte und mit den Tränen kämpft. Mit dem Erzählen einer Geschichte konnte man die Kinder für ein paar weitere Minuten fesseln. Dann noch eine Frage: Was hat euch am besten gefallen? Viele Antworten: Der See, das Drehorgelspielen, Eis essen, Schifffahrt, der Abend am See,… Am meisten war aber zu hören: „Mir hat alles gefallen!“ Und was hat euch nicht gefallen: „Dass wir nicht schwimmen durften!“ Dann war es endlich Zeit zur Aufstellung. Die Musik begann und im Gänsemarsch zogen die Kinder über den Mittelgang in die Kirche ein.  Als Schlusslicht: Die beiden Kleinsten mit einem Leiterwagen voller Blumen. Überwältigt von den vielen Zuhörern in der vollbesetzten Kirche liefen die Kinder noch einmal zur Höchstform auf. Die Solisten trällerten mühelos und textsicher  ihre Passagen. Das Publikum bedankte sich jeweils mit tosendem Applaus und forderte am Ende mit Standing Ovation eine weitere Zugabe. Die vielen Eindrücke waren für die Kleinsten dann doch grenzwertig! Zwei Kinder schliefen im Konzert einfach ein! Und das, obwohl die Musik weder in Lautstärke noch Rhythmus auch nur annähernd an eine Spieluhr erinnerte. Erleichtert über das gute Gelingen und dem sichtlich begeisterten Publikum fiel es nicht schwer, am Ausgang noch mit Zylindern um eine kleine Spende zu bitten. Völlig überwältigt von der großen Anzahl an Scheinen (vermutlich haben sie noch nie so viel Geld auf einem Haufen gesehen),  überbrachten die Kinder ihren „Schatz“. Ein Schweizer bedankte sich sogar persönlich mit 100 € beim Kinderchor. Nun galt es auch schon wieder Abschied von Überlingen zu nehmen. Ein letztes „Lebewohl“  von den Gastgebern: „Ihr habt uns eine riesengroße Freude gemacht! Wir werden diesen Tag mit euch nicht mehr vergessen!!!“ - Wir auch nicht! Wieder auf der Autobahn fällt es schwer, die Eindrücke in Worte zu fassen. Überwältigt von den vielen schönen Erlebnissen mit den Kindern, den Betreuern, den Gastgebern und den Konzertbesuchern, fallen schon bald die ersten Tränen. Der bevorstehende Abschied bewirkt ein Übriges. Zum Glück geht es allen so.  „Danke liebe Kinder, dass wir diese beiden Tage mit euch verbringen durften! Danke, dass wir ein paar Stunden die Welt mit euren Augen sehen durften! Danke, dass ihr mit euren Liedern so viel Freude und Empfinden ausgelöst habt. Danke liebe Steffi, für deine tolle Unterstützung! Ich weiß das sehr zu schätzen!!! Ohne dich, liebe Jana, hätten wir uns das Konzert überhaupt nicht vorstellen können! Lieber Otto: Du hast extra für uns einen Tag Urlaub und insgesamt zwei Tage für uns ohne Bezahlung geopfert. Du hast dich nie beklagt, wenn der Kofferraum zum x-ten Mal geöffnet werden musste. Der liebe Gott möge dich dafür segnen! Für all eure Unterstützung, liebe Eltern, ein herzliches Dankeschön! Die Kinder bedanken sich auf ihre Art: In Sprechchören schallen Lobeshymnen durch den Bus und immer wieder taucht die Frage auf: Wann fahren wir wieder an den Bodensee? Und warum sind wir eigentlich nicht noch eine Nacht länger hiergeblieben? Hingegen die Frage:“ Wann sind wir endlich da?“, taucht auf der Rückfahrt erstaunlicherweise nicht mehr auf!  ;-))  
Reisebericht: